HAZOP in fünf Sätzen
- HAZOP ist die Abkürzung für Hazard and Operability Study. Die deutsche Fassung desselben Verfahrens heißt PAAG: Prognose von Abweichungen, Auffinden der Ursachen, Abschätzen der Auswirkungen, Gegenmaßnahmen.
- Ein interdisziplinäres Team prüft ein R&I-Fließbild Abschnitt für Abschnitt und kombiniert Prozessparameter mit Leitworten wie NEIN, MEHR oder WENIGER, um Abweichungen von der Auslegungsabsicht zu finden.
- Für jede sinnvolle Abweichung werden Ursachen, Auswirkungen, vorhandene Schutzmaßnahmen und nötige Empfehlungen dokumentiert.
- Maßgeblicher Leitfaden ist die IEC 61882:2016, in Deutschland übernommen als DIN EN 61882 (VDE 0050-8):2017-02.
- Das Gesetz schreibt keine bestimmte Methode vor. Deutsche Behörden erkennen PAAG/HAZOP aber als Verfahren für die systematische Gefahrenermittlung nach der Störfall-Verordnung an.
Was bedeutet HAZOP?
HAZOP ist ein strukturiertes, systematisches Verfahren, um eine Anlage oder einen Prozess auf Abweichungen von der Auslegungsabsicht zu untersuchen. Die IEC 61882 nennt zwei Ziele: Gefährdungen für Mensch, Umwelt und Anlage im Betrieb und bei der Instandhaltung zu erkennen – und Betriebsprobleme zu finden, die Störungen oder Produktionsausfälle verursachen können. Daher das Wortpaar Hazard (Gefährdung) und Operability (Betriebsfähigkeit).
Kennzeichnend ist die Teamsitzung: Unter Leitung einer Moderation geht ein interdisziplinäres Team die Anlage Teil für Teil durch und fragt mit Hilfe von Leitworten, was passiert, wenn ein Prozessparameter von seinem Sollwert abweicht. Die IEC 61882 versteht die HAZOP dabei als Ergänzung zu einer guten, auf Regelwerken und Erfahrung beruhenden Auslegung – nicht als deren Ersatz.
| Begriff | Verwendung |
|---|---|
| HAZOP, HAZOP-Studie, HAZOP-Analyse | International übliche Bezeichnung, auch Titel der DIN EN 61882 |
| PAAG-Verfahren | Deutsche Bezeichnung derselben Methode, geprägt durch die Broschüre der IVSS Sektion Chemie (BG RCI) |
| Gefahren- und Operabilitätsanalyse | Deutsche Übersetzung von Hazard and Operability Study |
| Sicherheitsbetrachtung | Oberbegriff für systematische Analysen der Anlagensicherheit, zu denen die HAZOP gehört |
Herkunft und Norm: von ICI zur IEC 61882
Die Methode entstand in den 1960er-Jahren beim britischen Chemiekonzern ICI; Trevor Kletz datiert ihre Entwicklung auf 1963. Die erste Veröffentlichung folgte 1974, 1977 gab die britische Chemical Industries Association einen Leitfaden heraus. Kletz selbst hat die Methode nicht erfunden, aber maßgeblich verbreitet.
In Deutschland veröffentlichte die IVSS Sektion Chemie 1980 eine Übersetzung des britischen Leitfadens, im selben Jahr wurde die erste Störfall-Verordnung erlassen. Die heutige Grundlage ist die Broschüre „Risikobeurteilung in der Anlagensicherheit – Das PAAG-/HAZOP-Verfahren und weitere praxisbewährte Methoden“ (5. Ausgabe 2020), die kostenlos bei der BG RCI erhältlich ist. Mehr dazu im Beitrag PAAG-Verfahren.
Die internationale Norm ist die IEC 61882 „Hazard and operability studies (HAZOP studies) – Application guide“, Ausgabe 2 von 2016. Die deutsche Übernahme ist die DIN EN 61882 (VDE 0050-8):2017-02 „HAZOP-Verfahren (HAZOP-Studien) – Anwendungsleitfaden“. Beide sind Anwendungsleitfäden: Sie beschreiben, wie eine HAZOP gut durchgeführt wird, schreiben sie aber nicht rechtlich vor.
Ablauf einer HAZOP-Studie in vier Phasen
Die IEC 61882 gliedert eine HAZOP-Studie in vier Phasen:
- Definition: Studie beauftragen, Umfang und Ziele festlegen, Rollen und Verantwortlichkeiten klären.
- Vorbereitung: Studie planen, Unterlagen zusammentragen (R&I-Fließbilder, Verfahrensbeschreibung, Stoffdaten, Auslegungsdaten), Leitworte und zu betrachtende Abweichungen festlegen.
- Durchführung: In Teamsitzungen die Knoten nacheinander systematisch untersuchen.
- Dokumentation und Nachverfolgung: Ergebnisse festhalten, Bericht freigeben, Empfehlungen verfolgen und Verantwortlichkeiten klären.
Die Untersuchung eines Knotens
- Die Planung stellt den Anlagenabschnitt am R&I-Fließbild vor.
- Für den gewählten Knoten werden Zweck, Betriebsbedingungen und Instrumentierung erläutert – die Auslegungsabsicht.
- Das Team kombiniert Parameter und Leitworte zu Abweichungen, etwa „mehr Durchfluss“.
- Für jede sinnvolle Abweichung: Ursachen finden, Auswirkungen ohne Schutzmaßnahmen abschätzen, vorhandene Schutzmaßnahmen bewerten, bei Bedarf eine Empfehlung mit verantwortlicher Person festhalten.
- Sind alle Leitworte durchlaufen, folgt der nächste Knoten.
Knoten und Auslegungsabsicht
Die Anlage wird in Abschnitte gegliedert, die nacheinander untersucht werden. In der Praxis heißen sie Knoten, die IEC 61882 spricht von „Teilen“, das PAAG-Verfahren von Funktionseinheiten. Knoten können physisch sein (eine Leitung zwischen zwei Apparaten) oder logisch (ein Schritt einer Fahrweise). Je komplexer das System und je schwerer mögliche Folgen, desto kleiner sollten die Knoten sein.
Für jeden Knoten wird die Auslegungsabsicht beschrieben – im PAAG-Verfahren die Sollfunktion. Sie ist oft der entscheidende Teil der Studie, denn nur was klar beschrieben ist, lässt sich auf Abweichungen prüfen. Eine gute Sollfunktion nennt alle prozessrelevanten Größen: Tätigkeit, Stoff, Menge oder Durchfluss, Temperatur, Druck, Zeitpunkt und Reihenfolge, Dauer, Ort und Richtung, bei Bedarf auch Konzentration oder pH-Wert.
HAZOP-Leitworte (PAAG-Leitworte)
Leitworte strukturieren die Suche nach Abweichungen. Jedes Leitwort wird auf die relevanten Parameter eines Knotens angewandt; aus der Kombination entsteht eine mögliche Abweichung. Das klassische PAAG-Verfahren arbeitet mit sieben Leitworten, die IEC 61882 ergänzt Leitworte für Zeit und Reihenfolge.
| Leitwort (PAAG) | IEC 61882 | Bedeutung | Beispiel für eine Abweichung |
|---|---|---|---|
| NEIN / NICHT | NO / NOT | Vollständige Verneinung der Auslegungsabsicht | Kein Durchfluss, keine Kühlung |
| MEHR | MORE | Quantitative Zunahme | Mehr Durchfluss, höherer Druck, höhere Temperatur |
| WENIGER | LESS | Quantitative Abnahme | Weniger Durchfluss, niedrigerer Füllstand |
| SOWOHL ALS AUCH | AS WELL AS | Zusätzlich zur Absicht geschieht etwas anderes | Verunreinigung, Leckage nach außen, Korrosion |
| TEILWEISE | PART OF | Absicht wird nur teilweise erreicht | Komponente fehlt, Reaktion unvollständig |
| UMKEHRUNG | REVERSE | Logisches Gegenteil der Absicht | Rückströmung, umgekehrte Reihenfolge |
| ANDERS ALS | OTHER THAN | Vollständiger Ersatz | Falscher Stoff, falscher Behälter, andere Betriebsart |
| (unter ANDERS ALS) | EARLY / LATE | Abweichung im Zeitpunkt | Ventil öffnet zu früh, Dosierung beginnt zu spät |
| (unter UMKEHRUNG) | BEFORE / AFTER | Abweichung in der Reihenfolge | Schritt vor dem vorangehenden ausgeführt |
Weitere Leitworte sind zulässig, wenn sie vor Beginn der Studie festgelegt werden. Manche Unternehmen arbeiten mit einem reduzierten Satz (NEIN, MEHR, WENIGER, ANDERS ALS), andere mit Katalogen „konkretisierter Leitworte“ aus Leitwort und Parameter. Die Vollständigkeit hängt dabei weniger von der Zahl der Leitworte ab als von der Erfahrung des Teams.
Parameter und Abweichungen
Typische Parameter verfahrenstechnischer Anlagen sind Durchfluss, Druck, Temperatur, Füllstand und Zusammensetzung, dazu je nach Anlage pH-Wert, Reaktion, Phase, Zeit, Reihenfolge, Rühren, Energieversorgung oder Instandhaltung. Nicht jede Kombination ergibt eine glaubhafte Abweichung – die Moderation kann Kombinationen vorab auswählen.
| Parameter | NEIN / NICHT | MEHR | WENIGER | UMKEHRUNG | ANDERS ALS |
|---|---|---|---|---|---|
| Durchfluss | Kein Durchfluss | Zu hoher Durchfluss | Zu geringer Durchfluss | Rückströmung | Falscher Stoff im Zulauf |
| Druck | – | Überdruck | Unterdruck, Vakuum | – | – |
| Temperatur | – | Zu hohe Temperatur | Zu niedrige Temperatur | – | – |
| Füllstand | Behälter leer | Überfüllung | Zu niedriger Füllstand | – | Falscher Behälter befüllt |
| Zusammensetzung | Komponente fehlt | Konzentration zu hoch | Konzentration zu niedrig | – | Falscher Stoff |
Das HAZOP-Team
Die HAZOP ist Teamarbeit. Typische Rollen sind Moderation (Studienleitung), Protokollführung, Planung und Verfahrenstechnik, Betrieb, Instandhaltung, Prozessleittechnik und Anlagensicherheit, bei Bedarf ergänzt um Fachleute oder Hersteller. Die Empfehlungen zur Teamgröße liegen je nach Quelle zwischen drei und acht Personen, meist bei fünf bis sieben.
Die Moderation sollte vom Planungsteam möglichst unabhängig sein, damit Annahmen ohne „Betriebsblindheit“ hinterfragt werden. Das Anlagenwissen muss aber aus dem Unternehmen kommen: Eine Studie ganz ohne die eigenen Fachleute des Betreibers erreicht nicht dieselbe Tiefe. Mehr zu Aufgaben und Qualifikation im Beitrag HAZOP-Moderation.
Dokumentation: die HAZOP-Tabelle
Die Ergebnisse werden in einer Tabelle festgehalten. Übliche Spalten sind Knoten und Auslegungsabsicht, Parameter und Leitwort, Abweichung, Ursache, Auswirkung, vorhandene Schutzmaßnahmen, Empfehlung, verantwortliche Person und Termin. Viele Unternehmen ergänzen eine Risikobewertung vor und nach Schutzmaßnahmen mit der unternehmenseigenen Risikomatrix – ursprünglich war sie nicht Teil der Methode.
Wichtig ist die Reihenfolge: Beim Verfolgen der Ursachen und Auswirkungen werden vorhandene Schutzmaßnahmen bewusst zunächst außer Acht gelassen und erst danach auf ihre Wirksamkeit geprüft. So bleibt sichtbar, wie groß das Risiko ohne sie wäre. Schutzmaßnahmen sollten auch dann dokumentiert werden, wenn keine Empfehlung nötig ist – sonst werden sie später womöglich aus Unkenntnis entfernt.
Eine kostenlose Excel-Tabelle mit diesen Spalten, Auswahllisten und Beispielzeilen finden Sie unter HAZOP-Vorlage.
Kurzes Beispiel
Knoten: Zulauf von Methanol aus dem Lagertank über eine Pumpe zum Reaktor. Auslegungsabsicht: 5 m³/h bei 20 °C und 4 bar(ü) fördern.
| Abweichung | Ursache | Auswirkung ohne Schutzmaßnahmen | Vorhandener Schutz | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Kein Durchfluss | Handarmatur auf der Druckseite nach Wartung geschlossen | Pumpe fördert gegen geschlossene Armatur, Dichtung wird beschädigt, Methanol kann austreten | Keiner | Mindestmengenleitung oder Abschaltung bei zu geringem Durchfluss |
| Mehr Druck | Nullförderdruck der Pumpe über dem Auslegungsdruck der Leitung | Undichtigkeit, Freisetzung, Brand- und Explosionsgefahr | Sicherheitsventil | Auslegung des Sicherheitsventils für diesen Fall nachweisen |
Ein ausführliches Beispiel mit mehreren Knoten und Anlagentypen zeigt der Beitrag HAZOP-Beispiel.
Aufwand und Dauer
Der Aufwand hängt von Anlagengröße, Anzahl der Knoten, Betriebszuständen und Vorbereitung ab. Richtwerte des US-amerikanischen Center for Chemical Process Safety (CCPS), zitiert von der US-Umweltbehörde EPA:
| Umfang | Vorbereitung | Teamsitzungen | Dokumentation |
|---|---|---|---|
| Kleines, einfaches System | 8 bis 12 Stunden | 1 bis 3 Tage | 2 bis 6 Tage |
| Großes, komplexes System | 2 bis 4 Tage | 1 bis 3 Wochen | 2 bis 6 Wochen |
Weil die Konzentration über lange Sitzungen nachlässt, empfehlen Leitfäden kürzere Sitzungstage, etwa halbe Tage. In einem veröffentlichten Praxisbeispiel einer großen Offshore-Anlage kam das Team im Mittel auf ein bis zwei Knoten pro Tag. Belastbare, allgemeingültige Kostenangaben gibt es nicht; der größte Kostentreiber ist die Sitzungszeit des Teams.
Wann ist eine HAZOP vorgeschrieben?
Kein deutsches Gesetz schreibt die HAZOP ausdrücklich vor. Gefordert ist eine systematische Gefahrenermittlung – und dafür ist die HAZOP eine der anerkanntesten Methoden:
- Störfall-Verordnung (12. BImSchV): Betriebsbereiche müssen Verfahren zur systematischen Ermittlung der Gefahren von Störfällen festlegen und anwenden (Anhang III Nr. 2 b). Betriebsbereiche der oberen Klasse legen im Sicherheitsbericht nach § 9 dar, dass Gefahren und Störfallszenarien ermittelt und die nötigen Maßnahmen getroffen wurden.
- Keine Methodenvorgabe: Der Betreiber wählt eine geeignete Methode. Leitfäden der Kommission für Anlagensicherheit (KAS-55) und Landesbehörden nennen PAAG/HAZOP als in der Verwaltungspraxis anerkanntes Verfahren.
- Überprüfung: Das Konzept zur Verhinderung von Störfällen und der Sicherheitsbericht sind mindestens alle fünf Jahre sowie nach Änderungen zu überprüfen. Eine feste Frist speziell für die Wiederholung einer HAZOP enthält die Verordnung nicht.
- Gefährdungsbeurteilung: Die Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz und Betriebssicherheitsverordnung ist etwas anderes. Nach DGUV ersetzt die PAAG/HAZOP sie nicht – und umgekehrt.
- Funktionale Sicherheit: Die Ergebnisse der HAZOP sind häufig Ausgangspunkt für LOPA und die Bestimmung von SIL-Anforderungen nach IEC 61511.
International gilt Ähnliches: In den USA nennt die OSHA-Vorschrift zum Process Safety Management die HAZOP als eine der zulässigen Methoden und verlangt eine Revalidierung mindestens alle fünf Jahre.
HAZOP im Vergleich zu HAZID, What-if, FMEA und LOPA
| Methode | Ansatz | Unterschied zur HAZOP |
|---|---|---|
| PAAG | Deutsche Fassung der HAZOP | Inhaltlich identisch; eigene Begriffe wie Sollfunktion und Funktionseinheit |
| HAZID | Breite Gefahrenidentifikation, oft in frühen Projektphasen | Weniger detailliert; die HAZOP braucht ein ausgearbeitetes R&I-Fließbild |
| What-if | Brainstorming mit „Was wäre, wenn …?“-Fragen | Weniger systematisch; die HAZOP wendet feste Leitworte auf jeden Knoten an |
| Checkliste | Abfrage bekannter Gefährdungen | Findet nur, was beim Erstellen der Liste bekannt war |
| FMEA | Fehlerarten einzelner Komponenten und ihre Folgen | Komponenten- statt prozessorientiert; menschliche Fehler nur indirekt |
| LOPA | Halbquantitative Bewertung einzelner Szenarien mit Schutzschichten | Baut auf Szenarien aus der HAZOP auf, statt sie zu erzeugen |
| Bow-Tie | Darstellung von Ursachen, Top-Ereignis, Folgen und Barrieren | Visualisiert ausgewählte Szenarien; die HAZOP erzeugt sie systematisch |
HAZOP mit Software und KI
Viele Studien werden noch in Tabellenkalkulationen dokumentiert. Software hilft, sobald mehrere Bearbeitende, Revisionen des R&I-Fließbilds und die Nachverfolgung von Maßnahmen zusammenkommen. KI kann zusätzlich Vorarbeiten übernehmen – etwa Komponenten aus dem R&I erfassen und Abweichungen je Knoten als Entwurf vorbereiten. Die Bewertung bleibt beim Team.
Wie das in der Praxis aussieht und was die Forschung dazu sagt, beschreibt der Beitrag HAZOP mit KI. Den Funktionsumfang von HAIZOP finden Sie auf der Seite Plattform.
Häufige Fragen
Was heißt HAZOP auf Deutsch?
HAZOP steht für Hazard and Operability Study, auf Deutsch meist Gefahren- und Operabilitätsanalyse. Im deutschsprachigen Raum ist dieselbe Methode auch als PAAG-Verfahren bekannt: Prognose von Abweichungen, Auffinden der Ursachen, Abschätzen der Auswirkungen, Gegenmaßnahmen.
Was ist der Unterschied zwischen HAZOP und PAAG?
Inhaltlich keiner: Das PAAG-Verfahren ist die deutsche Fassung der HAZOP. Unterschiede gibt es in den Begriffen (Sollfunktion, Funktionseinheit) und im Leitwortsatz: Das klassische PAAG-Verfahren kommt mit sieben Leitworten aus, die IEC 61882 ergänzt Leitworte für Zeit und Reihenfolge.
Ist eine HAZOP gesetzlich vorgeschrieben?
Nicht ausdrücklich. Die Störfall-Verordnung verlangt eine systematische Ermittlung der Gefahren von Störfällen, schreibt aber keine Methode vor. PAAG/HAZOP ist ein von den Behörden anerkanntes Verfahren dafür.
Wie lange dauert eine HAZOP-Studie?
Nach Richtwerten des CCPS dauern die Teamsitzungen bei einem kleinen System etwa 1 bis 3 Tage, bei einem großen, komplexen System 1 bis 3 Wochen – zuzüglich Vorbereitung und Dokumentation.
Wer nimmt an einer HAZOP teil?
Ein interdisziplinäres Team aus Moderation, Protokollführung, Planung und Verfahrenstechnik, Betrieb, Instandhaltung, Prozessleittechnik und Anlagensicherheit, bei Bedarf ergänzt um Fachleute. Üblich sind drei bis acht, meist fünf bis sieben Personen.
Ersetzt die HAZOP die Gefährdungsbeurteilung?
Nein. Die HAZOP betrachtet Abweichungen vom bestimmungsgemäßen Betrieb einer Anlage. Die Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz und Betriebssicherheitsverordnung hat einen anderen Zweck; nach DGUV ersetzt keines der beiden Verfahren das andere.
Was ist der Unterschied zwischen HAZOP und HAZID?
Die HAZID ist eine breite Gefahrenidentifikation, oft in frühen Projektphasen mit wenigen Details. Die HAZOP setzt ein ausgearbeitetes R&I-Fließbild voraus und untersucht jeden Knoten systematisch mit Leitworten.
Quellen und weiterführende Literatur
- IEC 61882:2016 – Hazard and operability studies (HAZOP studies) – Application guide
- DIN EN 61882 (VDE 0050-8):2017-02 – HAZOP-Verfahren (HAZOP-Studien) – Anwendungsleitfaden
- IVSS Sektion Chemie / BG RCI: Risikobeurteilung in der Anlagensicherheit – Das PAAG-/HAZOP-Verfahren und weitere praxisbewährte Methoden, 5. Ausgabe 2020
- Störfall-Verordnung (12. BImSchV)
- KAS-55: Leitfaden Mindestangaben im Sicherheitsbericht (2021)
- DGUV FBRCI-009: Gefährdungsbeurteilung und Sicherheitsbetrachtung bei chemischen Reaktionen (2021)
- US EPA: Risk Management Program Guidance, Kapitel 7 (Zeitrichtwerte nach CCPS)
- Kletz, T.: ICI's contribution to process safety, IChemE Hazards XXI (2009)
